11.04.2017absurde Kafkaeske

Man könnte die Komödie „Kafka“ auch ganz realistisch sehen, als Tragikomödie rund um die Absurditäten einer Familie, oder dem, was ohne Empathie für Nahestehende von Familie übrig bleibt.  Die Eltern erwarten vom eigensinnigen Sohn, dass er eine Familie gründet und Geld (Tantiemen) ins Haus bringt,  Schwester Ottla erwartet, dass ihr Bruder von zu Hause weggeht, um ihr eigenes Zimmer zu haben. 

Die Verlobte erwartet sich Sex, Franz graut davor.  Und der gute Freund Max (Brod)  ist nur ein Freund der Worte. Was bleibt Franz übrig?  Nichts wie ab aus dieser Welt, die ihm Angst einjagt, in der er sich selber entfremdet Mechanismen der Erwartungen ausgeliefert ist.  

Was im Lendbräu zu sehen ist, hat mit Realismus, Pschologie und Figuren aus Fleisch und Blut nichts zu tun. Das Theater  ist ein Panoptikum, die Figuren eine Mischung aus Marionetten  und Clowns. 

Und die Bühne ist der Rahmen für mechanische Vorgänge zwischen Masken, hinter denen sich etwas versteckt, wonach sie Franz vergeblich sehnt, ohne zu wissen,  wie sich der Prozess der Handlung so erkennen lässt, dass er veränderbar erscheint. 
Die Komödie hat also nichts  oder nur sehr wenig  mit dem Versuch einer biografischen Annäherung an Franz Kafka zu tun.  Es ist allerdings eine spannende Annäherung an das,  was wir unter „kafkaesk“   meinen. 

Es handelt von einem  jungen Mann,  der von Angst vor der ihm zudiktierten Rolle sich selbst entfremdet bleibt und im Schreiben keine Annäherung  zu sich erhoffen kann.  Es handelt von der Unsicherheit der Worte und Gesten  im Gefüge erstarrter Mimik . Und es endet die Komödie im absurden Leiden  an undefinierbaren Schuldgefühlen und in Verzweiflung.
Es gibt kein natürliches Wort. Alles ist gekünstelt . Die szenische Umsetzung zur Charakterisierung dieser toten Welt ohne Zwischentöne, dieser Welt des eliminierten AnderSeins geklingt in der Aufführung im Lendbräu in einer Ästhetik, die Markus Pattner  nach einigen Arbeiten dieser Art  als Panoptikum sehr reif mit einem profilierten Ensemble zur Schau (zum Durchschauen)  bringt.      e.s.

 

So beschrieb das Lendbräu dasn Vorhaben:

"Die Welt in Franzobels „Kafka“ ist klein und bürgerlich: Vater, Mutter, die Schwester Ottla, die Verlobte Felice und der Freund Max Brod bevölkern dieses groteske Kammerspiel rund um Franz Kafka, der allen anderen nur als Projektionsfläche für ihre eigenen Träume dient.
Die Mutter träumt von Pyramidenspiel - Tamtam, Tantiemen! Der Vater von einer neuen Wohnung samt Einrichtung für das junge Paar. Felice träumt von Hunden und davon, Franz zu ankern und ihn zu beschnarchen.
Ottla sieht ihr Glück im Heufeminismus und Brod glaubt Kafkas Glück einzig und allein im Schreiben und im Erfolg zu sehen. Kein Wunder, dass sich Franz in seinen Kobel flüchtet, die Welt der Fantasie und sein Heil in wiederholten Suizidversuchen sucht.
Franzobel reduziert das Leben Kafkas, in der gleichnamigen Komödie auf dessen Spleen, sich anstelle von Frauen, lieber Krankheiten anzulachen. Gepaart mit Franzobels mittlerweile altbekannter Wortschnitzerei und seiner rhythmischen Sprachumfunktionierung, ergibt sich ein grotesk-witziges Theaterstück. "