10.01.2017Kreuz-Querköpfe

Kreuz- und Querköpfe & oder Helden

Das Projekt
Unter diesem Titel  sollen 2017 von Bühnen in Tirol Stücke in der Länge von 20 Minuten (bzw. 10 Minuten) entstehen, die wie beim Biographie-Theater 2016  (und den Einakter-Zyklen des „TheaterNetzTirol“ die  Jahre zuvor)  zusammengefasst zu Spieltagen  an unterschiedlichen Orten zur Aufführung kommen. 

Ein Impulsseminar (geleitet von Ekkehard Schönwiese und Thomas Gassner) wird im Februar Autoren, Spielleiter und Initiatoren näher mit dem Projekt  vertraut machen  und mit interessierten Spielern Szenen zum Thema erproben. 
Ausgegangen wird bei “Querköpfe & oder Helden“ davon, dass nach Erzählungen (oder anderen Quellen) Stücke über Menschen szenisch dargestellt werden, die ihrer Umwelt in die Quere kommen, die von den einen als mutig oder gar als Helden und von anderen als Spinner angesehen werden.  Die Geschichten entwickeln sich demnach in der Spannung zwischen Ablehnung und Anerkennung  und der Reaktion des „Helden“ bzw. „Querkopfes“  auf die Rezeption seiner Art, die sich so oder so von dem unterscheidet, wie sich Menschen „normal“ verhalten. 

Die Anlässe
250 Jahre nach der Geburt Andreas Hofers (1767)  mag als Anlass dienen, (Querkopf)Heldenbiografien neu zu schreiben. Einen weiteren  Anstoß zu dem Projekt  gab der 150ste Geburtstag von Karl Schönherr,  dessen schriftstellerische Laufbahn 1895  mit der Erzählung „Allerhand Kreuzköpf. Geschichten und Gestalten aus den Tiroler Alpen“ (Leipzig: Haessel 1895, 232 S.) http://gutenberg.spiegel.de/buch/allerhand-kreuzkopf-7971/12) begonnen hatte.

 

Querköpfe:  Untergattung Kreuzköpf
Die darin enthalten Geschichten über „auffällige“ TirolerInnen  lassen sich mit Hilfe von „Erzählspielmethoden“ ohne großen Aufwand  und ohne außergewöhnliche schriftstellerische Begabung  als Einakter auf die Bühne  stellen. 
Dabei sind „Kreuzköpf“ eine eigene Untergattung der Querköpfe.  Sie sind gleichsam die harmlosesten unter den „Narren“, weil sie nur im begrenzten Umfang Anstoß erregen.  Karl Schönherr  beschrieb sie in der schriftstellerischen Tradition von „Kalendergeschichten“ nach Art des Adolf Pichler und Rudolf Greinz als zur bürgerlichen Welt „ungleichzeitige“ Figuren aus den Wäldern und Tälern, wo Querkopftypen noch von der Zivilisation unverbildet als „Raritäten“ vorkommen und noch nicht der allgemein empfundenen Dekadenz unterworfen sind . Die Beschreibungen lenken den Blick auf die Defizite und Überheblichkeiten (der Eliten)Gebildeter, die auf das Volk herabschauen, das sich in seiner „Unberührtheit“ einen klareren Blick auf Entwicklungen bewahrt als die Macher und Gestalter des differenzierten Gesellschafts- und Wirtschaftslebens.
Unter Einbeziehung der Reflexion zu diesem Hintergrund (der Entdeckung und Idealisierung des Bäuerlichen im Gegensatz zum üblichen Hinunterschauen auf das rührend Naive des „Landvolkes“)  sind die Kreuzköpf- Porträts  von Karl Schönherr ganz so einfach gestrickt wie „Kalendergeschichten“ auch wieder nicht.

Im Rahmen von Theatertagen unter dem Motto „Querköpfe & oder Heldinnen" haben über die Muster von „Kreuzköpfen“  auch  alle anderen  szenischen Geschichten über (bekannte oder unbekannte) QuerdenkerInnen Platz, seien es „komische Typen“ die mit ihren merkwürdigen Sprüchen, Aktionen und Verhaltensweisen ihre Umwelt verunsichern oder Sonderbegabungen, die „zeitungleich“ positiv & oder negativ Aufsehen erregen bzw. erregt haben.


Der Prolog
Um den Blick auf die Hintergründe zu  Quer- und Kreuzköpfen zu schärfen  wird  den Episoden eine Doppelconférence  (Der Blöde – Kluibenschädel - und der Gscheite – Prof. Kahlköpfl -) zum wörtlich genommenen Titel vorangestellt.  Dabei geht es um die Frage, ob es in Tirol solche Köpfe gibt, bzw. ob der Tiroler /die Tirolerin  nicht von Natur aus grundsätzlich als Quer- und Kreuzköpfen zu bezeichnen ist.
Als Unterlage für diese Conference  dienen das Urteil Heinrich Heines http://www.diesuedtiroler.it/tiroler-heinrich-heine/
das Kapitel über „Rassenfragen“   aus Schluiferers „Fern von Europa“
http://www.sagen.at/doku/techet/inhalt.html
und Stellen aus der Menschen verachtenden „Rassenkunde“ von Prof. Dr. Hans F.K Günther und Dr. Gustav Kraischek (1923; 1941),  der den Tiroler Menschenschlag zwar zur nichtnordischen dinarischen Rasse zählt, ihm aber doch zugesteht bei der Rassenbereinigung und Veredelung des Deutschtums nicht ausgeschlossen zu werden.

 

Beispiele

Geschichten aus „Allerhand Kreuzköpf“
http://gutenberg.spiegel.de/buch/allerhand-kreuzkopf-7971/2
Der lärchene Hias
Schnapsjörgls Kampf und Sieg
Bauernfang
Ranggenfuchs
Der Treffer Wastl
„Der Pfannenflicker Naz“
„Es greift nix an“
„Ein ehrlicher Mensch“
„Das Heiligenwasserweibele“
„Der Bauernknecht auf der Klinik“
„Die Übergab“
„Der Tag- und Nachtfranzl“
„Singprob“
„Der Schmierberlugges“
„Ein Perlaggspiel“
„Der Wildschütz“
„Kindstauf“
„Der lappete Hannes“
„Der Zuchtstier“

 

Geschichten aus „Tiroler Leut“ von Rudolf Greinz
http://gutenberg.spiegel.de/buch/tiroler-leut-7112/1

„Die tanzenden Jungfrauen“
„Der schlaue Rat“
„Pulten Jackeles Geist“
„Der Zieler Wastl“
„Die feindlichen Nachbarn“
„Der Klachlwirt“
„Stoanklopfer Josele“
„Hochwürden der Weiberfeind“


Querköpfe der anderen ART

1
Oswald Perktold
Querdenker aus Schnann, publiziert kritische Gedanken, praktiziert als Lehrer Schulunterricht im Liegen 
http://www.virtuelles-haus-der-geschichte-tirol.eu/jart/prj3/vhdgt/main.jart?rel=de&content-id=1239028816462&reserve-mode=active

2
Michael Manhart
Seilbahner, Techniker, Landwirt, Jäger und Visionär aus Lech/Arlberg; Vorreiter mit Schneekanone etc.  Thema: Auseinandersetzungen mit Behörden
http://www.vol.at/audienz-beim-schneepapst/4601075

3
Egger Gilge
Visionär (18. Jhd.)  aus Matrei/Osttirol mit seinen Prophezeiungen  zum technischen und  wirtschaftlicher Aufschwung und den Folgen der Geldherrschaft der 'Herren' im dritten Weltkrieg.
Die Geschichte dieses Bauernpropheten wird erst so recht zur Querkopfgeschichte durch die Rezeption und die Interpretation der Wahrsagungen in dubiosen Weltanklagen (des Tiroler Ultrakonservativgeistlichen Kaplan Melzer)   

https://www.amazon.de/Matreier-Prophet-Egger-Gilge-Prophezeiungen/dp/3908542952
http://www.kirchenzeitung.at/newsdetail/rubrik/ein-priester-vor-gericht/

4
Johann Panzl
Zur Typologie der Unbeirrbarkeit (und dem Mythos der Unverletzbarkeit, der sie zu Helden stempelt) von Kreuzköpfen. 
Vor 250 Jahren Andreas Hofer geboren!  Querköpfige Erinnerungen an 1809  in übersteigerter (mythifizierter) Erinnerung  im Geist des Jahres 1848 – Selbstzeugnisse gesammelt von Anton Peternader  (1853)  in Verherrlichung der Freiheitskämpfe im Dienst des Niederhaltens von Forderungen nach Demokratie.
Panzl reiste 1848  -neben vielen Tirolern - nach Wien, um sich bei der Revolution (gegen das System Metternich; für liberale und demokratische Gesetzgebung)  gegen die „Aufständischen“ anwerben zu lassen. Die Sicherheitskräfte hatten Mühe, den alten Vaterlandskämpfer dabei einzubremsen …
… eine Mühe, der sich Panzls Frau vierzig Jahre lang vergeblich unterzogen hatte? 
 http://www.sendersbuehne.at/tirolerfreiheit/informelles/heldenbuch/index.html

5
Isidor Pale
Totengräber und Nachtwächter aus Fiss
Nach Kurzszenen aus dem Museumsspiel und Originaltonaufnahmen des seltsamen Menschen aus Fiss
http://www.museum-fiss.at/de/museum/ueber-isidor
https://www.youtube.com/watch?v=O6GTIETtGyU
https://www.youtube.com/watch?v=lpTqE6lODzk


6
Waluliso
Als selbst ernannter Friedensapostel war er über Jahre hinweg ein prominenter Teil des Stadtbildes in Wien.
http://mobil.derstandard.at/2000007843857/100-Jahre-Waluliso-Das-Original-auf-dem-Wiener-Stephansplatz
http://m.diepresse.com/home/panorama/wien/3824320/index.do