Volksbühne Mils

Lorerstraße 3a
6068  Mils bei Hall
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Bettina Hilber
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Kommende Termine

's Elädrische ▸

29.04.2017, 20:00
Kartenvorverkauf-Info folgt
30.04.2017, 20:00
Kartenvorverkauf-Info folgt
04.05.2017, 20:00
Kartenvorverkauf-Info folgt
05.05.2017, 20:00
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13.05.2017, 20:00
Kartenvorverkauf-Info folgt

Im Spätherbst 2011 standen zwei Einakter am Programm, die "Prosecomütter" und nach der Pause "Die Unterrichtsstunde von E. Ionesco. Ionescos “Unterrichtsstunde” an der Volksbühne Mils. Funktioniert das? Ja, bestens. Ein durchgeknallter Philister mordet Mädchen, die von ihm was lernen wollen. Die Absurdität des auf Ordnungswissen reduzierten Bildungswahns ist eine bitterböse Satire. Die Milser Bühne ist eine Vorzeigebühne, hat sich in vielen Jahren (schon seit den Zeiten von Landesobmann Hans Arnold und dann unter der Theaterlegend Otto Ebenbichler) ein treues Stammpublikum erobert und gab sich neben obligatorischen Volksstücken Profil mit klassischem Boulevardtheater. Die Darstellung des Professors in der “Unterrichtsstunde” ist konsequent durchgezogen und macht gruseln über so einen solchen Professor Unrat, durchaus professionell gespielt von Andreas Penz. So waren in den letzten Jahren immer wieder exzentrische Typen gezeichnet, wie etwa der Striese im “Raub der Sabinerinnen”. Routiniert bringt sich auch Helga Föger Pittl als Haushälterin ein, die den mörderischen Bildungswahnsinn deckt. Und Neuling Julia Plainer ist eine glaubhafte Schülerin. Videoclip: Gottlieb Schwandtner

40 Jahre Volksbühne Mils!

„DIE RÄUBER AM GLOCKENHOF“
Von Josefine Weiss überarbeitet von Helga Föger-Pittl

Am 16. Feber 1975 wurde der Verein „Volksbühne Mils“ gegründet.
Mils ist aber eines der ältesten Theaterdörfer Tirols belegt durch alte Stiche aus den Jahren um 1835.
Das heisst bis in die Jahre, bevor Maria Theresia das Volksschauspiel mit Verboten belegte.
Gesicherte Daten über Aufführungen gibt es seit den 1920er Jahren. Ab dem Jahre 1925 kam es zur
Aufführung zahlreicher Stücke unter anderem auch  „Die Räuber vom Glockenhof„ von Josefine
Weiss.
Bis zum Jahr 1933 wurde im Garten und in der Veranda des Gasthof „Lorer“  gespielt, jeweils 3
Aufführungen. Die Zuschauer kamen zu Fuß aus den umliegenden Gemeinden.
Im Jahre 1933 wurde unter der Leitung des damaligen Direktors des Landestaubstummeninstitutes
Josef Sieberer vom „Katholischen Arbeiterverein“ das Vereinshaus errichtet und im selben Jahr
feierlich eingeweiht. Mils hatte ein eigenes „Theaterhaus“!
Der Höhepunkt dieser Zeit war wieder die Aufführung „Die Räuber vom Glockenhof“ von Josefine
Weiss.
1938 wurde der Verein verboten und die „Deutsche Arbeiterfront“ nahm das Vereinshaus in Besitz.
Es wurde aber trotzdem, wie es in Mils üblich war, Theater gespielt.
1940 wurde das Vereinshaus von der Gemeinde Mils um 10.000  Reichsmark wieder zurückgekauft.
Obwohl der 2. Weltkrieg voll im Gange war spielte man „Die drei Dorfheiligen“ von Neal und Ferner.
Das Stück „Um Haus und Hof“  unter der Leitung vom Lehrer Josef Glatzl mußte abgesagt werden,
weil Spieler an die Front berufen wurden.
1943 wurde im gemeindeeigenen Vereinshaus eine SS Mannschaft einquartiert und 1944 von der
Wehrmacht in Anspruch genommen. Somit hatte die Kulturstätte ausgedient.
Nach Kriegsende wurde das Vereinshaus als „Deutsches Eigentum“ erklärt, aber durch ein
aufwändiges Rückstellungsverfahren wieder ins Gemeindeeigentum zurückgeführt.
1947 gründete Josef Glatzl die „Sing- und Spielgemeinschaft“ und das Spielerteam für die Stücke
„Um Recht und Ehr“ (1946) und „Die Räuber vom Glockenhof“ (1947) bestand aus Milser
Heimkehrern.
Unter Lehrer Josef Glatzl erlebte das Milser Theater eine Hochblüte bis 1957. In den 60er Jahren
wurde der Spielreigen mit „Die Drei Dorfheiligen“, „Der verkaufte Großvater“ usw. von Otto
Ebenbichler weitergeführt. Unter Bgm. Hans Arnold, ein begnadeter Volksschauspieler, wurde das
Vereinshaus saniert und auf Initiative des Oswald Milser Chores unter der Spielleitung von Bertl
Schöpf 1974 mit „Die Schlafkrankheit“ wiedereröffnet.
1975 erfolgte die Gründung der „Volksbühne Mils“ und bereits 1980 besann man sich des Traditions-
stückes „Die Räuber vom Glockenhof“ und unter der Regie von Bertl Schöpf, mit Hans Arnold als
„Gatterer“ wurde die „Weissfassung“ wieder gespielt.
So wie „Die Geierwally“ zu Elbigenalp, so gehören die „Glockenhofer“ zu Mils  (Ist die letzte gute Tat
des Hans Gatterer doch der Guss der Milser Kirchenglocke).
Im Jahr 1990 wurde das Stück unter der Regie von Bertl Schöpf und Humer Sigfried als „Gatterer“
erneut auf die Bühne gebracht.
2005 zum 30 Jahr Jubiläum bearbeitete Spielleiter Arnold Markus die „Glockenhofer“ neu und
brachte sie mit Josef Pittl als „Gatterer“ mit großem Erfolg auf die Bühne.
„Die Räuber am Glockenhof“ von Josefine Weiss sind ein Kulturgut des Milser Theaterwesens und
es ist eine Verpflichtung, dieses zu pflegen. Zum 40 Jahr Jubiläum übernahm die Spielleiterin Helga
Föger-Pittl die Aufgabe das Stück zu überarbeiten und in Szene zu setzten.
Mit Markus Kölli als „Gatterer“ findet die Premiere am 30. April 2015 in unserem Vereinshaus statt.
Weitere Aufführungen:  01., 09., 13., 15. Und 16. Mai 2015

Räuber am Glockenhof

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Die Volksbühne  Mils spielt  ihre Glockenräubergeschichte  alle zehn Jahre als Traditionsstück, oder besser gesagt, als  Volksschauspielklassiker, jeweils mit einer neuen Darstellergeneration, also nicht um des Erhaltens Willen, sondern um Übernommenes zu übergeben, ohne am Original zu rütteln.  Es wird nichts umgedeutet, es werden  dem Stoff keine neuen Sichtweisen abgerungen, es wird auch nichts aktualisiert,  wie das Berufsbühnen  ihren Klassikern im „Regietheater“  (manchmal überzeugend, manchmal nicht) antun. 
Und doch kommen wir um die Frage nicht herum:  Was ist original an Originalen?  An welchem Punkt der Entwicklung machen sich Traditionen fest?  Wo beginnen Traditionsstücke  im Versuch  der Wiederholung  im Sand stecken zu bleiben?
Halten wir fest.  „Die Räuber am Glockenhof“  nannte sich eine Novelle, die der schriftstellende Geistliche  Josef  Praxmarer  (1820-1880) verfasst  hat und sich dabei auf  Quellen stützte,  die sich auf das Jahr 1657 beziehen.  1875 tauchten „Die Räuber am Glockenhof oder Das Verbrechen  der Hochstraße“  als Charakterbild aus Halls Vergangenheit  aus der Feder von M. Stöbe als Sommertheaterstück in Hall, in einer Produktion des Pradler Bauerntheaters unter der Direktion  Rauter-Weiss auf.  Der Stoff wurde mit der Anderl von Rinn Legende verknüpft, der als Legendspiel hier bereits 1648 gespielt worden war. Die Verknüpfung der Räuberlegende mit dem (vom Haller Stiftsarzt Hippolyt Guarinoni ) erfundenen rituellen Ermordung des „seligen Anderl“ ist eine höchst unselig Verquickung und bezeugt, dass hinter dem scheinbar ideologiefreien Räuberspiel  religiös motiviertes, rassistisches Gedankengut, zumindest ursprünglich, Pate stand.  Durchaus Sympathie mit den Gewalttätern  - und zwar ohne Hinweis auf die Ursachen gewalttätiger Umstände, die die Gewalt begreifbar machen  -   zeigt nicht nur das Räuberspiel aus der Feder der Josefine Weiss, sondern mehr oder weniger auch die gesamte auf sie aufbauende Spieltradition, auch wenn die mit kritischem Blick von Autoren wie Rudolf Brix im 20. Jahrhundert aufgeraut wurde.  Zu den bemerkenswertesten  Ausbrüchen aus den tradierten Mustern des Darstellens von mangelhaft nachvollziehbarem  Ausbruch von Gewalt, die durch die Wunder der Reue in Seelenheil verwandelt werden könne, gehört die Produktion mit Hansl Brenner als Räuberhauptmann 1983 bei den Telfer Volksschauspielen und das Freilichtspiel am Glockenhof mit Rolf Parten als Bearbeiter und Regisseur.
Die Inszenierung von  Helga Föger-Pittl zeigt ein voll motiviertes Ensemble, mit lustvoll  grob gezeichneten Gesellen, welche die Autorin  dem Arsenal  der wilden Horde in Schillers „Räubern“  entnommen zu haben schien, freilich nicht ohne Abstufung in Sachen Skrupellosigkeit. „Langhans“ entspricht der  Figur des „Spiegelberg“ bei Schiller, der sein Gewissen auf dem Schlachtfeld verloren hat und im Frieden Mordlust weiterlebt, ohne Verbrämung mit vaterländischer Ideologie, nicht einmal unter Vortäuschung einer Absicht zur Verbesserung der Welt durch Ausrottung einer verrotteten Gesellschaft.  Nichts. Sepp Hoppichler  lässt überzeugend „die Sau heraus“, reißt die Bande dabei mit und  trägt  anarchischen Spaß auch über die Rampe. Die Räuber agieren nach gruppendynamischen  Mustern, vom Mitläufer bis hin zum Zögerling mit Sprachstörung,  vom Schlägertyp bis hin zum Anführer, der schon längst  das wilde Treiben an der Nagel hängen will, um mit Weib und Kindern ein braves bürgerliches Leben anzufangen, aber durch ungesühnte Schuld erpressbar ist.  Und so nimmt das Unheil bis zur Hinrichtung seinen Lauf.  Josefine Weiss entlässt uns  im Sinne Josef Praxmarers im Glauben, dass der Räuberhauptmann Gatterer  in den Himmel kommt. Es ist ihm ja seine letzte Bitte gewährt worden, zur Sühne eine Glocke zu gießen, die angeschlagen wird, wenn sein Kopf abgeschlagen wird.  Bei diesem Schlag  kommt die Gattin, auf die Läuterung ihres Mannes hoffend, zurück aus der Fremde. Sie sinkt im Kreise betroffener Frauen  auf die Knie. Das Bild verfehlt beim Publikum, auch bei mir, nicht an Wirkung. Josefine Weiss, die Verfasserin des Stückes, die Prinzipalin des Innsbrucker Bauerntheaters an der Schwelle zur Entwicklung  kritischen Volkstheater, die Mutter erster SchauspielerINNENgenerationen der Exlbühne  hat ihr Handwerk verstanden.  Das Spiel ist nach wie vor berührend, wenn auch naiv, und wenn auch nur insofern:   Es vermeidet jenes Zuviel an Pathos, das zum  Lachen reizte.  Aber das ist vielleicht auch genau der springende Punkt.
Das Stück entstand  genau zu dem Zeitpunkt der Entwicklung  des „Alt-Innsbrucker Bauerntheaters“,  bevor  das naiv-dramatische Spiel  in die Satire kippte,  bei der die Betroffenheit der Hinrichtung am Ende in einem jubelnden „Noch einmal köpfen“  mündete, und das bis heute in Ritterspielen jener Pradler so praktiziert wird.  
Große Frage:  Ist die einmal verlorene Unschuld ein wieder erreichbarer Zustand?  Ja, im Spiel, das die Naivität nicht scheut und mit Zuschauern, die sich auf dieses Spiel einlassen.  Etwas davon war in Mils bei der Premiere der „Räuber am Glockenhof“ miterlebbar.    
Nur, ganz ohne wache Bergleitung des Verstandes kann das nicht kritiklos als Pauschallob im Raum stehen bleiben.  Das Stück mag wirksam sein, ist aber doch von einer recht befremdlichen moralisierenden Tendenz.
Der zu Folge gibt es auf der Welt eben  nur die drei Menschentypen, die skrupellos Bösen, die Bösen wider Willen und die Guten.  Gut, Volksschauspiele mögen den Märchen verwandt sein, die den Figuren  weder Entwicklungen  noch Charakterdifferenzierungen  zugestehen, aber es gibt da doch einen großen Unterschied.  Märchen werden erzählt, und  Theater verkörpert, und da stehen Menschen und nicht Symbolfiguren auf der Bühne, selbst dort, wo sie als personifizierte Abstrakta gedacht sind.
„Die Räuber vom Glockenhof“  gehören zur Mythenwelt der Verbrechen im finsteren Volderer Wald. Am Weg durch ihn, auf der Römerstraße, zogen  Händler mit dem Reichtum der Städte durch und am Straßenrand  gab es die Ärmsten, die aus den Städten verjagt wurden oder nach Ausbeutung der Bergwerke in den Wald geschickt wurden,  und natürlich auch die, die sich so oder so etwas vom Reichtum ergattern (siehe Räuberhauptmann Gatterer)  wollten.  
In diesem dunklen Raum, ohne Orientierung  zwischen Arm und Reich  bricht Gewalt aus. Da trieben nicht nur die Räuber vom Glockenhof, sondern auch Lustmörder ihr Unwesen, jener Bugazi zum Beispiel, der die selige Jungfrau Gertraud Angerer umbrachte, und zu dessen Seelenrettung eine Kapelle in den Wald gestellt wurde.  Auch die Geschichte vom Frauenmörder  Zingele gehört hierher,  an die sich nach der Dramatisierung durch den Haller Theaterhaufen die Telfer Spiele heuer heranmachen.  Alle diese Unholde genießen auf der Bühne die Solidarität der Zuschauer, in der Hoffnung  Hinweise auf Ursachen der Gewalt zu erhalten.  Oder wird da nur das Bedürfnis nach der gerechten Bestrafung von  Bösen befriedigt?   (e.s.)

Gespräch mit Otto Ebenbichler:

www.youtube.com/watch?v=-MuA0CdvIWQ

 

Bin i im Himmi

Kampf um die Heimat Teil 1

Die Fischpredigt

Die Unterrichtsstunde