Theater Quartier B2

Aufführungsort
Gasthof Stern "Zickeler" in Haiming
6425  Haiming

Kontakt
Silvia Schmid
Habichen 105 a
6433 Oetz
+43650-7050378
silvi_schmid@hotmail.com

ABGESPIELT - Bericht im "darstellenden Spiel" 2019 Theater Quartier B2 „Alles über Liebe“ von Stephan Eckel Haiming hat seit kurzer Zeit eine neue Bühne räumlich gesehen eine sehr kleine, aber künstlerisch gesehen eine richtig große! Außerdem ist der Spielort im Gasthof Stern „Zickeler“ eine richtige Perle. Mitten in Haimging gibt´s den Gasthof Stern „Zickeler“. Ein Landgasthaus, wie man es kennt und mag. Wenn man aber den kleinen Saal betritt und die vielleicht 15 m² große Bühne sieht, stellt sich so etwas wie eine kleine Spontan-Verliebtheit ein. Der Saal ist fast ausverkauft, es herrscht geschäftiges Kellnerinnentreiben und Gute-Laune Gebrabbel. Auf dem Spielplan steht „Alles über Liebe“ von Autor Stephan Eckel, ein Paar-Therapie-Stück. „Oje“, dachte ich mir zuerst, immer noch gebeutelt von der jahrelangen Bombardierung mit unzähligen Produktionen von Glattauers „Wunderübung“, dessen Erfolgs Geschichte mich genauso wundert, wie die von dem unsäglich langweiligen E-Mail Stück, dessen Namen ich Gott sei Dank vergessen habe. Aber vielleicht werde ich ja überrascht. Und wie! Das Stück ist zwar auch nicht gerade die Erfindung des tiefen Tellers, nur mit dem Unterschied, dass es einem das Werk auch nicht vorgaukelt. Da weiß man gleich: „Da geht’s um Ironie“. Da werden Plattitüden zelebriert, die Figuren zu Comic-Held*innen und die Handlung absurd überhöht. Der Regieansatz ist grandios. Ein inszenierter Müllschlucker lässt zwar so manchen Zuschauer zuerst ungläubig schauen, aber beim zweiten Mal ist der Gag schon angekommen. Die eingesetzte Musik, plus richtig schrulliger Choreographie, überhöht die Geschichte einerseits weiter, anderseits lockert sie die Handlung auf. Apropos. Ein Paar kommt zur Paar Therapie. Die Therapeutin ist neurotisch und hat eine gescheiterte Beziehung hinter sich. Alle drei hauen sich sämtliche Klischees um die Ohren, die das Beziehungsleben zu bieten hat, und es gibt ein Happy-End. Vieles kennt man aus eigener Erfahrung oder aus Erzählungen. Die Emotionspalette wird durchgeorgelt. Besonders dankbar bin ich für die Bühnenfassung. Die Dynamik wird nicht durch unnötige Gags in die länge gezogen, und es gibt nur eine Pause. Danke schon allein dafür. Die Darsteller*innen sind fulminant, obwohl man die Aggression des Paares ein wenig hätte dosieren können. Kathrin Dablander als Anna Lima ist in ihrem gelben Kleid eine verzweifelte Hausfrau und Mutter. Sie verkörpert diesen Typus zauberhaft und mit unfassbarer Energie. Bernd Sonderegger als ihr Mann Carlos Lima steht ihr in nichts nach. Er gibt den klassisch-kindischen Mann. Beiden nimmt man die Ehe und ihre Probleme ab. Sie spielen wunderbar zusammen. Da entstehen berührende, lustige, blödsinnige, grantige und ängstliche Momente. Und dann ist da auch noch Silvia Schmid. Sie zeichnet die Figur der neurotischen Therapeutin mit bestechender Überdrehtheit. Da wirkt alles stimmig. Eine wirklich sehr kompakte schauspielerische Leistung. Geführt, ergänzt, inspiriert, wie auch immer, jedenfalls inszeniert hat Peter Schaber. Eine mutige, genau richtig dosierte, verrückte Regie. Das ist bemerkenswert. Er verlässt nie den Grad zwischen Bodenständigem und Luftigem. Er führt die Darsteller*innen knapp und doch gibt er ihnen Raum. Er ist bescheiden und müsste es nicht sein. Eine wirklich sympathische Truppe, die es richtig drauf hat! Euer Thomas Gassner

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