Heimatfest (oder: Saure Milch und Schebbeli)

Lustspiel von Regina Rösch

ID# 558-17
Verlag Rieder
Akte 3
Dekorationen 1
Männer 4
Frauen 5
Kinder
Personen 9

Mit Tablet, Smartphone, WhatsApp, Twitter und Skypen hat die Digitalisierung auch bei Familie Neumann Einzug gehalten. Sehr zum Leidwesen von Familienvater Heinz, der sich immer mehr nach der guten alten Zeit zurücksehnt, in der man noch mit dem Fahrrad zu seinem Kumpel fuhr, um alles Wichtige bei einem Bierchen zu besprechen. Doch aktuell hat Heinz ganz andere Probleme, steht nicht das große Heimatfest in einigen Wochen vor der Tür! Bei einer abschließenden Sitzung des Heimatfestkomitees, bestehend aus Heinz und seinen Freunden Günter und Otmar, geht man den Fragen WmW (Wer macht was) und WmN (Wer macht nix) nach, um zum Entsetzen der anwesenden Familienmitglieder und Freunde festzustellen, dass das organisierte Programm für das „Fest der Feste“ noch äußerst dürftig ist. Außer Kaffee mit Blechkuchen, Alte-Geräte-Ausstellungen und einer Konzentration von vier „Ochs am Spies“ in der Dorfmitte gibt es keinerlei Attraktionen! Soll man sich mit diesem Programm in der ganzen Gegend blamieren? Die Herren sind völlig überfordert! Zahlreiche Vorschläge der besserwissenden Damen donnern auf die Herren ein. Die Herren geraten in die Schusslinie und fassen den Beschluss zur Einstimmung und zu Werbezwecken für das Heimatfest in „früher“ zurückzukehren. „Früher“, das ist für sie die Zeit der 60iger und 70iger Jahre, als die Welt noch in Ordnung war und es jeden Dienstag und Donnerstag das Lieblingsgericht des Dorfes „Saure Milch und Schebbeli“ (Bratkartoffeln) gab.

 Die Damen sehen dies völlig entspannt, vermissen sie doch bei ihren Männern seit 20 Jahren jegliche Aktivität. Doch diesmal haben sie sich verrechnet. Mit ungeahntem Elan und voller Begeisterung nehmen die Herren das Projekt in Angriff. Die Ledersitzecke im Wohnzimmer weicht einer verstaubten Couchgarnitur aus den Sechzigern in der bereits die Mäuse gejüngt haben. Waschmaschine und Wäschetrockner werden durch einen zentralen Waschkessel in der Ortsmitte ersetzt, die Heizungen werden abgestellt, die Bäder gesperrt und das moderne Boxspringbett weicht dreiteiligen Matratzen, riesigen Federbetten und nach Mottenkugeln stinkender Biberbettwäsche. Kühe, Schweine und Hühner halten wieder ihren Einzug im Ort und die Damen werden gezwungen schicke Kostüme und Spitzenunterhöschen durch Kittelschürze, Kopftuch, Liebestöter und kratzende Wollstrümpfe zu ersetzen. Und damit nicht genug! Auch die alte „Weltordnung“ soll wiederhergestellt werden: Der Mann ist der Herr im Haus! Der Mann schafft an, die Frau spurt und macht die Arbeit. So haben die Männer sich das zumindest vorgestellt.

 Massiver Widerstand macht sich breit und die Herren erkennen: Mit Frauen von heute in „früher“ zurückzukehren ist gar nicht so einfach! Als dann zu allem Übel längst vergessen geglaubte Sünden der Herren aus früheren Zeiten ans Tageslicht kommen spitzt sich die Lage zu.