Sabina

Zeitstück von Ekkehard Schönwiese

ID# 080-94
Verlag Autor
Akte
Dekorationen
Männer
Frauen
Kinder
Personen

Sabina erzählt von einer tiefreligiösen Frau, die als Volksschülerin einen Lehrer hatte, an den sie sich noch sehr gut erinnern kann. Er war ein bekennender Sozialist, ein begeisterter Pädagoge, der mit seinen Anschauungen einiges an Konflikten mit dem Pfarrer des Dorfes auszutragen hatte. Sabina erinnert sich, wie ihr bei einem Kirchenbesuch die masche ihres Zopfes aufgegangen war, sie unschicklich mit offenen Haaren da kniete und hierfür vom Lehrer, der auch Organist war, zur Rechenschaft gezogen wurde. So sehr sie das als ungerecht empfand, fühlte sie sich diesem Lehrer doch auch verbunden und erzählt, wie es dazu kam, dass er von den Nazis gehenkt worden ist.

Das Theaterstück Sabina bezieht sich in vielen Details auf Authentisches, das in der Dissertation von Christian Mathies (2017, über den Schulalltag im Ständestaat - darin das Kapitel über den Lehrer, Sozialist und Widerstandskämpfer Johann Vogl) einerseits beschrieben ist und auf ein längeres Videointerview mit Sabina B. (von Ruth Deutschmann für das "virtuelle Haus der Geschichte Tirol" und für einen "Kreuz und Quer" - Film über sie).

Das Stück handelt vom Alltag der alten Sabina, die von einem Pfleger regelmäßig besucht wird. Dieser weiß mit der Art Sabinas, Besucher für andere zu halten als sie sind, im Sinn der Einsicht umzugehen, dass man "in den Schuehen des anderen" gehen muss, um Kontakt mit Dementen aufrecht erhalten zu können. Von diesem Pfleger auf die Eigenart der Sabina vorbereitet, kommt ein an Zeitgeschichte interessierter Mann voerbei, der von Sabina persönlich Erlebtes über besagten Oberlehrer wissen will.

Er meint, solange es noch die Möglichkeit gibt, Geschichte aus dem Mund der Alten und Ältesten zu erfahren, müsse diese genützt werden, denn bei der Geschichts- "schreibung" geht das Persönliche der Geschichts- "erzählung" verloren. Beim Erzählen aber hat Zeitgeschichte ein Gesicht mit Profil und Falten.