Volksschauspiel und -theater

Seit 1975 (Ekkehard Schönwiese, Das Volksschauspiel im nördlichen Tirol. Renaissance und Barock Theatergeschichte Österreichs 2: Tirol 3, Wien 1975)  bemühe ich mich darum, dass sich die Gelehrtenmeinung über Volkstheater und Volksschauspiel an der Praxis orientieren soll.

Ich habe nicht viel Erfolg damit. Trotz vielfacher Interventionen verweigert die offiziöse Kulturhompage des Bundes eine Revision des Begriffes "Volksschauspiel".  Hier wird allen Ernstes die Meinung vertreten, dass das Volksschauspiel aus Christkindlumzügen und Brauchspielen ähnlicher Art besteht, die es früher einmal gegeben hat, heute aber nur mehr als Wurmfortsätze kultureller Erscheinungen vergangener Jahrhunderte weiterleben.

Nicht viel differenzierter ist hier das Urteil, was den Begriff "Volkstheater" betrifft. Unter diesem Begriff verstehen die meisten Gelehrten (es gibt wenige Ausnahmen) "Wiener Vorstadttheater". Vergleiche:

http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.v/v799283.htm unter "Volksschauspiel" und "Volkstheater"

Um diesen Vor(ver)urteil(ung)en aus gelehrter Sicht, die die ländliche Praxis nicht kennen und anerkennen wollen, zu entgegnen schrieb ich vor über 15 Jahren einen größeren Beitrag zu dem Thema für ein Handbuch zur Volkskunde in Österreich (und das "Volksliedwerk", das unter dem Titel "Volksschauspielforschung" Bundessubventionen einstreift. Hört, hörft!). Dieses Buch hatte keine Eile beim Erscheinen. Es kam nun mit 15jähriger Verspätung auf den e-bookmarkt.:  http://www.volkskunde.org/wp/?p=940 ("Volkskunde in Österreich", 2012; Kapitel: Vom Volksschauspiel zur SitCom; Seite 373ff)

Ekkehard Schönwiese

PS: Erst das Internet macht´s möglch, dass das Urteil von Volkskunde-Patriarchen, das über viele, viele Jahrzehnte hinweg galt (jenseits kultureller und politischer Umbrüche), relativiert und kritisch hinterfragt wird. Siehe: http://books.google.at/books?id=dsgZAAAAIAAJ&hl=de&source=gbs_similarbooks