Lasst uns Lügen erzählen (Vamos a contar mentiras)

Komödie von Alfonso Paso
ID# 164-15
Verlag Ahn & Simrock Bühnen- und Musikverlag GmbH
D-20459 Hamburg, Deichstraße 9
Akte 2
Dekorationen 1
Männer 5
Frauen 3
Kinder 0
Personen 8
Oberflächlich gesehen eine harmlose Krimikomödie, zwischen den Zeilen gelesen neben wird über Wahrheit und Lüge und über "selbstbestimmte" Voraussagen nachgedacht.
vgl. dazu umgekehrt die Komödie von Pirandello über einen Mann, der immer die Wahrheit sagt und dem man deshalb nicht glaubt. :
Keine besinnliche Weihnachten im Hause Baumann. Ausgerechnet am 24. Dezember kommt Karl dahinter, dass seine Frau Julia eine gigantische Lügnerin ist. Sie verspricht zwar hoch und heilig nur mehr die reine Wahrheit zu sagen, aber als dann ein Einbrecher erscheint, nimmt das Unheil seinen Lauf. Wenn da nicht Julia und Lorenz.........
Die Geschichte läßt sich aber auch ganz anders erzählen, nämlich so wie Paso sie hinter der Oberfläche der "story" erklärt:
VORWORT
Wenn Sie Mrs. Ballenty-Jones nicht gekannt haben, so haben Sie nichts versäumt. Mrs. Ballenty-Jones war Untertanin Ihrer Majestät, der Königin von England, und Anhängerin der konservativen Partei, was uns in ihr eine Dame mit fortschrittlichen Ideen vermuten lässt. Ich habe Mrs. Ballenty Jones auch nicht gekannt und hätte auch niemals von ihr gesprochen, wenn ich nicht eines Tages, es war genau am zweiten Januar, in einer Zeitung eine schaurige Geschichte gelesen hätte. Schaurige Dinge in den Zeitungen zu lesen, ist nichts Besonderes. Es kommt immer wieder vor, dass die Menschheit sich vornimmt, eine bessere Welt aufzubauen. Aber die Geschichte erschien mir durch ihre erschreckende Ehrlichkeit wirklich gruselig. Mrs. Ballenty-Jones hatte bei der Polizei Anzeige erstattet, dass ein Hund sie seit etwa sechs Monaten verfolge. Der Hund wartete vor ihrer Haus auf sie, rannte hinunter dem Bus her, in den sie stieg und jaulte jämmerlich in ihrem Garten. Mrs. Ballenty-Jones erklärte, sie hege den ziemlich begründeten Verdacht, der Hund sei von ihrem Mann abgerichtet, um ihr Angst und unerträgliche Furcht einzujagen, die sie in den Tod treiben sollte.
Die englische Polizei, stets sorgfältig stellte Nachforschungen an. Aber der Hund tauchte nirgends
auf. Man erfuhr aus der Nachbarschaft, dass Mrs. Ballenty-Jones eine Lügnerin ersten Ranges war. Niemand hatte den Hund je gehört oder gesehen.
Zwei Monate später starb Mrs. Ballenty-Jones in Chelsea genau um sieben Uhr abends - die Engländer
sind sehr präzise, nachdem. sie von einem Lastwagen überfahren worden war, unter dessen Räder sie sich praktisch gelegt hatte. Alle Zeugen, die den Unfall miterlebten, waren sich einig in der Feststellung,
dass ein wild aussehender Hund Mrs. Ballenty-Jones gejagt hatte, bis er sie bei ihrem verzweifelten Fluchtversuch zwang in den Lastwagen zu laufen.
Der Hund verschwand unverzüglich, so dass er nicht verhört werden konnte. Mr. Ballenty-Jones
zeigte sich zutiefst betrübt und fragte nur, ob seine Frau sofort tot gewesen sei. Als man ihm dies bestätigte tat er einen tiefen Seufzer und sagte: "So hat sie wenigstens nicht leiden müssen.“
Leutnant Freeman von Scotland Yard erklärte seinen Untergebenen. dass sie von nun an verpflichtet seien, die abstrusesten Geschichten zu glauben. Von einem Psychiater befragt, bestätigte Leutnant Freeman, er glaube, dass der Hund Komplice beim Mord an Mrs. Ballenty-Jones und obendrein der Ausführende war. "Dagegen ist nichts zu sagen". meinte der Psychiater. Er streichelte den Hund, den er gerade seiner Frau gekauft hatte.
Bei dieser Zeitungsmeldung entsann ich mich der Lektüre eines Chinesischen Spruches, der so alt wie die Welt zu sein scheint:
Und Pflum sagte wieder: "Seht, der Wolf kommt!" Alle begannen zu lachen. "Wir kennen dich Pflum. du erzählst immer Lügen!" Aber er hatte kaum ausgesprochen als ihm der Wolf ein Bein abfraß. Diesmal hatte Pflum die Wahrheit gesagt. Und Chou-Lu-Chean überlegte, dass es manchmal doch gut und richtig ist. einem Lügner zu glauben.
Das brachte mich auf den Gedanken. eine komische Episode niederzuschreiben, die zu glauben ich Ihrem Urteil überlasse
Alfonso Paso